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Malteser Krankenhaus St. Johannes in Kamenz
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Let‘s talk about Beckenboden

Der Beckenboden ist ein Multitasker. Für seine Schwächen gibt es im St. Johannes Krankenhaus in Kamenz gute Lösungen. 

14.12.2019
Alexander Wagner, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Malteser Krankenhaus St. Johannes erklärt den Beckenboden am Modell. (Text und Fotos: Stephanie Hänsch)
Alexander Wagner, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Malteser Krankenhaus St. Johannes erklärt den Beckenboden am Modell. (Text und Fotos: Stephanie Hänsch)

Der Beckenboden gehört mit seinen Funktionen zur Kontinenz von Blase und Darm sowie Sexualität zu all jenen Problemzonen, die im Allgemeinen nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Oft wenden sich die Betroffenen sehr spät erst an die Ärzte. Was viele nicht wissen, etwa jeder zweite Mensch – ob Mann oder Frau – hat im Laufe seines Lebens ein Beckenbodenproblem. Die Zahl steigt. Für Beckenbodenfunktionsstörungen der Frau gibt es in der Gynäkologie des St. Johannes Krankenhaus in Kamenz gute Lösungen. Let’s talk about Beckenboden!

„Der Beckenboden einer Frau ist ein wahrer Multitasker“, erklärt Alexander Wagner, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Das komplexe Zusammenspiel der Muskeln, Nerven und Bindegewebsstrukturen des Beckenbodens hält die Organe des Beckens in ihrer Position und gewährleistet außerdem die Funktion von Blase, Scheide und Darm. Gleichzeitig hat der Beckenboden eine wichtige Rolle bei Schwangerschaft und Geburt, denn er muss flexibel genug sein, um einem Kind die Passage nach außen zu ermöglichen. Schon die Schwangerschaft belastet den Beckenboden. Das Gewebe wird aufgelockert, die Organe verlagern sich, machen Platz für das Kind im Bauch, dessen Köpfchens unterdessen immer stärker auf das Becken drückt. Das alles sind große Herausforderungen an den Beckenboden, für welche die Natur uns nahezu genial „konstruiert“ hat.

Dennoch gibt die vielfältigsten Beckenbodenprobleme. Zu den wichtigsten der Frau gehören die Inkontinenz und die Beckenbodensenkung. Wer darunter leidet, findet in Alexander Wagner und seinen Kollegen am St. Johannes Krankenhaus in Kamenz kompetente Ansprechpartner. Selbst Patientinnen mit komplizierteren Störungen des Beckenbodens sind bei ihnen gut aufgehoben, denn ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Gynäkologen, Urologen, Chirurgen, Gastroenterologen, und Physiotherapeuten der beiden Malteser Krankenhäuser in Kamenz und Görlitz arbeitet eng zusammen. Sind die Beschwerden einzelner Patienten nicht allein durch eine Fachabteilung zu beurteilen, ziehen die Ärzte Kollegen weiterer Fachrichtungen für Diagnostik und Therapie hinzu.

Die Frauen, die in Alexander Wagners Sprechstunde ins St. Johannes kommen, werden im Allgemeinen von ihren Frauenärzten überwiesen. „Beckenbodenprobleme treffen häufiger Frauen nach den Wechseljahren, da der niedrigere Spiegel an weiblichen Hormonen das Gewebe empfindlicher macht. Die typische Frau mit einer Senkung hatte schon einmal einen Leistenbruch oder hat ausgeprägte Krampfadern, erklärt der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Dies können Zeichen einer Bindegewebsschwäche sein. „Ob jung oder alt, wir merken, dass es den meisten nicht so leichtfällt, sofort über die Probleme zu reden.“ Damit die Patientinnen den Beckenboden verstehen, benutzt Alexander Wagner zum Erklären ein Modell.

Senkungszustände im Beckenboden haben häufig mehrere Ursachen: Die Schwerkraft der Bauchorgane, körperliche Arbeit sowie Schwangerschaft und Geburt können eine Schwächung der komplexen Strukturen aus Muskeln, Bindegewebe, Nerven, Scheide, Blase und Harnröhre bewirken. „Bei der Anamnese in der gynäkologischen Sprechstunde ist es wichtig, dass die Frauen uns mitteilen, wenn sie an Senkungsbeschwerden leiden, auch wenn es ihnen peinlich ist“, sagt Alexander Wagner. Neben der Art der Schädigung haben der Schweregrad der Senkung, das Lebensalter und das Beschwerdebild Einfluss auf die Behandlung. Im Gespräch erkundigt sich der Arzt nach dem Auslöser der Beschwerden, wann treten sie auf, wie, gab es bereits gynäkologische Operationen, Nebenerkrankungen oder werden regelmäßig Medikamente eingenommen?

Die Therapiemöglichkeiten bei Beckenbodenschwäche sind vielfältig. Hilfreich ist in jedem Fall eine Stärkung der Muskulatur durch ein spezielles Beckenbodentraining. Viele Frauen wissen nicht, was gemeint ist mit Beckenbodenmuskulatur anspannen. „Die Bauchdecke einziehen oder die Pobacken zusammenkneifen spannt nicht die Beckenbodenmuskulatur an“, sagt Alexander Wagner. Die Physiotherapie des St. Johannes Krankenhauses bietet spezielle Kurse, sowie auch die Elektrostimulation oder Biofeedback der Beckenbodenmuskulatur an. „Jede Therapie muss an Alter, Gesundheitszustand, körperliche Aktivität und Art der Berufstätigkeit der Patientin angepasst sein“, sagt Alexander Wagner. Zur konservativen Therapie mit Medikamenten kommt die Gabe von Hormonen infrage, die für eine allmähliche Straffung des Beckenbodens sorgen.

Eine Beckenbodensenkung sollte operiert werden, wenn die konservativen Verfahren, wie Beckenbodentraining nach 3-6 Monaten keinen Effekt zeigen. Oft hilft auch der Einsatz von Pessaren für eine symptomatische Behandlung. Der Gynäkologie empfiehlt Frauen diese weichen Stützelemente, wenn Frauen keine Operation wünschen oder zur Überbrückung der Zeit bis zu einer OP. Bei der am häufigsten verwendeten Operationsmethode wird bei einem zentraler Defekt des Beckenbodens die Muskulatur zusammengeführt. „Die sogenannte Vaginale Plastik ist die operative Methode mit den wenigsten Nebenwirkungen, also ohne langanhaltende spätere Schmerzen, mit geringer Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Inkontinenz und wenig Störungen bei der Sexualität“, erklärt Alexander Wagner. Wenn die Muskellücke zu groß ist oder nicht genügend funktionsfähige Muskulatur vorhanden ist, gibt es weitere Methoden, wie der Einsatz von  Netzen als neue Stützstruktur.  Auch minimalinvasive OP-Verfahren mittels Bauchspiegelung werden in Kamenz häufig angewandt.

Wenn Symptome, wie Schmerzen und Fremdkörpergefühl, Harninkontinenz oder eine Blasenentleerungsstörung bzw. Störungen der Sexualität auftreten, rät der Chefarzt dringend zu einer Untersuchung und einer ggf. operativen Behandlung: „Haben Sie kein falsches Schamgefühl und sprechen Sie Ihre Beschwerden beim Hausarzt oder Frauenarzt an.“

Kontakt:

  • Terminvereinbarungen telefonisch über das Sekretariat der Gynäkologischen Klinik des Malteser Krankenhaus St. Johannes unter Tel. 03578 786-431.
  • Untersuchungsbereich in der 2. Etage (ambulanter Bereich)

 

Info kompakt "Beckenboden":                                                                                     

Symptome:

  • Rückenschmerzen
  • Druckgefühl beziehungsweise Fremdkörpergefühl in der Scheide.
  • Schmerzen im Unterbauch bis hin zum Gefühl des "Herausfallens" von Organen.
  • Schmerzen oder Druckgefühl beim Geschlechtsverkehr.
  • Das Gefühl von Schwere und Ziehen im Becken.

Vorbeugen:

  • regelmäßiges Trainieren der Beckenbodenmuskulatur
  • Vermeidung unnötiger Belastungen und richtiges Tragen von Lasten

 

Behandlungsmöglichkeiten:

Konservativ:

  • Pessare: weiche Elemente stützen die Beckenbodenorgane
  • Biofeedback: Kleine Stifte, werden in die Scheide eingefügt und können Messwerte liefern bei der Anspannung der Beckenbodenmuskulatur.
  • Elektrostimulation: Durch leichte elektrische Spannung angeregte Muskelkontraktion. Muskeltraining verstärkt die Muskulatur.

Operativ (Beispiele):

  • Vaginale Plastik (mit körpereigenem Gewebe)
  • Laparoskopische (minimalinvasive) Operation
  • Netze oder Gewebeersatz
  • TVT (sog. Blasenband), Bulkamid-Unterspritzung, Botox-Injektionen (bei Harninkontinenz)